Griechische Highlights: Insel-Hopping Teil 3

Unsere Tour durch die Kykladen führt uns nun zu zwei Inseln, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das weitgehend unberührte, schroffe Tinos und Santorini mit seiner unvergleichlichen Küstenlinie und den schicksten Hotels ganz Griechenlands. Wieder fahren wir mit der Fähre, via Mykonos, ein längerer Trip diesmal: Von Tinos nach Mykonos dauert es 1 Stunde, von Mykonos nach Santorini ca. 3,5 Stunden.

TINOS – DIE HEILIGE INSEL

Tinos ist so etwas wie das Lourdes der Kykladen. Die Stiftungskirche der Panagia Evangelistria, ein großer Komplex aus Gotteshaus, Pilgerwohnungen, Verwaltung und Museum, liegt auf einem Hügel in der Hauptstadt. Innen wird ein Schatz gehütet: eine alte Marien-Ikone, der Wunderheilungskräfte zugeschrieben werden. Doch der Weg dahin ist hart. Die Gläubigen müssen die schnurgerade, etwa einen halben Kilometer lange, steile Straße auf Knien hinaufrutschen. Damit das nicht gar so unangenehm ist, hat man allerdings am Rand der Wallfahrtsstraße eine Teppichbahn angetackert: Red Carpet der etwas anderen Art. Mit Devotionalien aller Art, meterhohen Kerzen, Weihrauch, Ikonen und Gebetsbildchen, kann man sich auf der Basargasse eindecken, die parallel zur Wallfahrtsstraße verläuft. Mit Wundern lässt sich eben auch Geld verdienen.

Außerhalb von Tinos Stadt ist die Insel rau, felsig, ruhig. Die kleinen, malerischen Dörfer, die überall verstreut liegen, die über 1000 schneeweißen Kirchlein und die vielen hundert Taubentürme prägen das Bild. Und natürlich die spektakulären Blicke, die man von überall auf die Nachbar-Inseln und das Meer hat. Interessant ist Pirgos im Norden der Insel, ein Bilderbuchort, der sich ganz der Marmor-Produktion gewidmet hat. Hier gibt es das Museum of Marble Arts, in dem sich alles um Geschichte, Gewinnung und Verarbeitung von Marmor dreht, und eine Bildhauerschule, in der die Eleven eine dreijährige Ausbildung durchlaufen, bevor sie in Athen an der School of Fine Arts studieren dürfen.

Großartige Strände, wie man sie auf anderen Inseln findet, gibt es hier nicht. Aber natürlich malerische Buchten, in denen man ins kristallklare Wasser hüpfen kann. Allerdings meist ohne Liegen, Sonnenschirme und schicke Strandbuden.

Schlafen: Vincenzo in Tinos-Stadt

In prima Lage, mitten in der Hauptstadt, liegt diese hübsche, aber eher einfache Pension. Der junge Vincenzo hat zwei Häuser geerbt und sie mit viel Liebe zum Detail (und Kitsch) in ein schlichtes, gemütliches Hotel umgewandelt. Er ist unglaublich bemüht und nett, holt die Gäste mit dem Auto vom Hafen ab, gibt Tipps und kümmert sich, dass beim leckeren Frühstück im Garten auch alle glücklich werden. Eine gute Adresse für ein oder zwei Übernachtungen, vor allem weil Kionia, der beliebteste Badeort der Insel mit größerem Hotelangebot, nicht wirklich schön ist. DZ ab 40 Euro. www.vincenzo.gr

 

Die beste Strand-Taverne: To Thalassaki in Ormos Isternion

Im Nordosten der Insel liegt tief unterhalb der Panoramastraße und über viele steile Serpentinen zu erreichen der winzige Fischer- und Badeort Ormos Isternion. An dem kleinen Sandstrand mit einigen Liegen und einer lässigen Open-Air-Bar lässt sich bestens die Zeit überbrücken, bis man sich an die Tische von Tinos beliebtester und bester Taverne setzt. Hier schmecken klassische griechische  Gerichte wie gegrillter Oktopus oder Sardinen und prima Salate, während einem das Meerwasser über die Füße spült, die Stimmung ist Weltklasse.

 

 

Fein dinieren: Itan Ena Mikro Karavi in Tinos-Stadt

In Hafennähe, hinter einem völlig unspektakulären (und deshalb nicht ganz leicht zu findenden) Eingang hat Tinos mit weitem Abstand bestes Restaurant aufgemacht. Es liegt in einem großzügigen Innenhof mit vielen Pflanzen und hübscher, unangestrengter Einrichtung, und das bezaubernde Personal serviert modern interpretierte griechisch-mediterrane Küche, die richtig gut schmeckt. Prima Weine gibt’s auch. Ein klasse Platz! (Trian Ierarchon Str., Tel: +30 22830 22818)

 

SANTORINI – DIE INSEL DER SUPERLATIVE

Santorini hat mit den restlichen Kykladen-Inseln wenig zu tun. Die Insel ist turbulent, total touristisch, komplett überteuert – und von faszinierender Schönheit. Die 300 Meter hohe Katerwand, die steil aus dem dunklen Meerwasser aufsteigt: ein einzigartiges Naturschauspiel. Die schneeweißen Häuserwürfel, die hoch oben am Kraterrand in den Fels gebaut sind und edle Boutiquen, feine Restaurants und traumschöne Hotels beherbergen: ein Hotspot der Extraklasse.

Die meisten Touristen kommen als Tagesgäste von den riesigen Kreuzfahrtschiffen. Sie stolpern in Pulks durch den Hauptort Fira und das im Inselnorden gelegene (noch schönere) Oía, fotografieren manisch und shoppen in den Edel-Boutiquen. Gegen Abend kehren sie auf ihre schwimmenden Hotels zurück und die Menschen, die sich für zwei oder drei Tage auf der Insel eingemietet haben, schlendern durch die Städtchen auf der Suche nach dem besten Platz, um den spektakulären Sonnenuntergang zu erleben.

 

 

Eine Tour über die Insel ist nicht wirklich aufregend: Die Orte im Inselinneren sind recht verschlafen, es gibt einige ordentliche Weingüter, im Süden liegen die besten Strände, weitgehend in der Hand von Pauschaltouristen und mit den entsprechenden Vergnügungs- und Wassersportmöglichkeiten ausgestattet.

Wirklich einzigartig und ein echtes Must-see: die Ausgrabung von Akrotíri, das sogenannte “Pompeji der Ägäis”. Unter einer Stahl-Glas-Konstraktion liegt hier eine fast intakte Stadt aus dem 17. Jahrhundert vor(!) Chr., mit dreistöckigen Häuserfronten, wunderschönen Fresken, Bädern und Marktgassen. Glück für die Archäologen und die Besucher von heute: Die Stadt lag nach einem Vulkanausbruch über 3.500 Jahre quasi luftdicht abgeschlossen unter einer anfangs 60 Meter, später 7 Meter hohen Bimssteinschicht – weshalb sie so fantastisch erhalten war.

 

Unser Lieblings-Hotel: Kirini Suites, Oía

Das ehemalige Seefahrernest Oía liegt ganz im Norden der Insel und ist etwas weniger überlaufen als der Hauptort Fira. Und mindestens so schick. Die Hotels sind meist in die ehemaligen Höhlenwohnungen und -Speicher gebaut, blütenweiße  Wohnträume mit 5-Sterne-Luxus. Die Kirini Suites gehören zur Gruppe Relais & Chateaux und sind direkt an den Kraterrand gebaut. Die Einrichtung: modern und erlesen. Die Zimmer (30 bis 45 qm groß) haben alle eine eigene Terrasse, meist mit großen Liegen, einige mit eigenem kleinem Pool. Mittelpunkt der Anlage ist der für Santorini-Verhältnisse große Infinity-Pool, um den ausschließlich weiße Day-Beds gruppiert sind, und das schicke Open-Air-Restaurant, in dem man wunderbar frühstücken und hervorragend zu Abend essen kann. Alles natürlich mit Sensations-Blick über den Krater aufs Meer und die vorliegenden Inseln. Das weiß gewandete Personal liest den Gästen jede Wunsch von den Augen ab, arrangiert Termine im hauseigenen traumhaften Spa, organisiert Transfers und Ausflüge. Bei allem Luxus: Nichts wirkt im Kirini übertrieben, steif oder unangenehm abgehoben, die Atmosphäre ist relaxed, unangestrengt und einfach richtig schick. Einzig beim Bezahlen am Ende des Aufenthalts muss man heftig schlucken. (Suite zur Nebensaison ab 400 Euro, www.kirini.com)

 

Taverne am Wasser: Kyra Katina, Ammoúdi

Der Weg von Oía hinunter zur Bucht von Ammoúdi ist pittoresk und etwas beschwerlich: Über einen ausgetreten Treppenweg klettert man rund 20 Minuten runter (oder lässt sich von schlecht gelaunten Eseln tragen) zum idyllischen Fischerhafen mit einer Hand voll Tavernen. Im Kyra Katina geh es ganz lässig zu, man sitzt auf orangefarbenen, einfachen Stühlen, ist Fisch oder Meerestiere vom Holzkohlengrill. Ein schöner Platz für den Sonnenuntergang und die Zeit danach. Wer keine Lust hat, die 300 Stufen wieder hochzuklettern, lässt ein Taxi an das Ende der Mole bestellen. (Tel: +30 2286 07280)

 

Taverne am Kraterrand: Kasteli, Oía

Edle, teure Restaurants einerseits und teure, mittelmäßige Lokale andererseits gibt es in Oía und Fira zu Hauf. Man zahlt die Lage (und den Caldera-Blick) eben mit. Eine der wenigen Ausnahmen: das herrlich unprätentiöse Kasteli an der östlichen Kraterrandgasse von Oía, das mit authentischen griechischen Speisen, ordentlichen Weinen, freundlichen Bedienungen und superfairen Preisen punktet. Den tollen Blick und die Sangeskünste des Chefs gibt’s gratis dazu. Schickimicki geht anders, hier sitzt man auf einfachen Korbstühlen an Tischen mit karierten Decken, die Deko ist teilweise zum Schmunzeln kitschig. (Tel: +30 22860 71148)

 

 

 

2016-09-02T09:04:58+00:00 31.08.2016|At the sea, Essen & Trinken, Inspiration & Ideen, On the Road|

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